der blick + making of

der blick - endergebniss

Einführung

Entstanden ist dieses Foto auf Wunsch meiner Schwester. Als Geschenk für ihren Mann, meinen Schwager, wollte sie eine Makroaufnahme ihres Auges, relativ großformatig gedruckt auf Forex oder hinter Acryl. Detailreichtum und Schärfe war also Programm.

Das Ausgangsbild wurde mit einer Canon 5D MkII und dem Sigma 150mm 2,8 EX APO DG Macro HSM (Sigma scheint irgendwie ein Faible für abstruse Objektivbezeichnungen zu haben…). Kameraeinstellungen Blende 3,2, bei 1/160 Belichtungszeit und ISO 50. Das ganze aus der Hand ohne Stativ, da mir ein Einstellschlitten (noch) fehlt und das komplette Stativ im Millimeter Bereich zu rücken, nunja…. Mit einem kleinen Trick war dies gut zu bewerkstelligen. Bei 150mm und Blende 3.2 ist der Schärfentiefebereich natürlich sehr gering. Ich habe also bei jedem Versuch ca. 5 Serienbilder gemacht und dabei immer ein wenig die Kamera vor und zurück bewegt. Nach ein paar Versuchen hat man ein gutes Gefühl wo der Fokus sitzt. Nicht elegant, aber es hat gut funktioniert. Die Hauptsache. Licht zum fokussieren spendete eine Dauerbeleuchtung mit 3 Spiral Tageslichtlampen a 25W (herkömmlich 450 Watt), die rundlichere Reflektion am Rand der Pupille stammt von einem Canon Speedlite 43o EX + Minisoftbox zum aufstecken, den meine Schwester zusätzlich zum regungslosen Sitzen am langen Arm hielt, die Arme. Man hätte hier natürlich auch ein Stativ nehmen können, aber erstens hatte ich keins mehr übrig und zweitens war es so schneller möglich die Reflektion passend zu positionieren. Von vorne rechts dann noch ein Canon Speedlite 580 EX durch eine handelsübliche 60cm x 60cm Softbox. Ihr könnt die Reflektion im rechten Teil des Auges erkennen.

der blick - ausgangsbild

Oben also das Ausgangsbild, Ergebnis einer Stunde und ca. 60 Aufnahmen. Es war etwas mühseliger als Gedacht, vor allem meinte das meine Schwester, harhar ;)

Ausgangsbearbeitung in Lightroom 3

Ich möchte gleich vorneweg sagen, das es sich hierbei mehr um ein “making of” als um ein komplettes Tutorial handelt. Also mehr mein generelles Vorgehen bei der Nachbearbeitung als eine detaillierte Erklärung aller Schritte. Ich nenne also nicht jede Tastenkombination oder wie man zum Beispiel eine Ebenenmaske anlegt. Grundlegende Photoshop / Lightroom Beherrschung setzte ich jetzt einmal voraus :)

Die erste Basisbearbeitung erfolgt in Adobe Lightroom 3. Zuerst wird das Format auf 16:9 beschnitten um Dramatik und Dynamik zu erhöhen.

In den Grundeinstellungen verschiebe ich ein wenig den Weißabgleich und erhöhe minimal die Belichtung, Helligkeit, Kontrast und Schwarz. Die Präsenz bearbeite ich durch Steigerung von Klarheit, Dynamik und nehme gleichzeitig etwas Sättigung heraus. Im Bedienfeld Gradationskurve weise ich dem Foto eine Punktkurve “Starker Kontrast” zu und erhöhe Lichter, Helle / Dunkle Mitteltöne und dunkle gleichzeitig die Tiefen etwas ab.

Im nächsten Schritt passe ich die Farben in den Dialogen HSL, Teiltonung und Kamerakalibrierung an. Ziel ist es schon einmal Rot Tönungen zu entsättigen und abzudunkeln und den dunklen Bereichen des Auges eine Basistönung zu verleihen die mir die Weiterberarbeitung in Photoshop erleichtert. Speziell Teiltonung und Kamerakalibrierung kommen hier zum tragen.

Nun setze ich noch in den Objektivkorrekturen eine Vignette um den Fokus auf die Augenmitte zu erhöhen.

Zuletzt kümmere ich mich noch um die Detaileinstellungen im Bedienfeld Detail. Entrauschen muss man bei ISO50 nicht wirklich aber ich schärfe das Foto schon etwas vor, um mich nachher in Photoshop nur noch um Schärfe Detailarbeit für den Druck kümmern zu müssen. Die Schärfe setzte ich relativ hoch an, steuere dem aber mit einer ebenso recht hohen Maskierung entgegen. Der Effekt hierbei ist, das die Schärfe vornehmlich im Bereich der Kontrastkanten liegt und in den kontrastarmen Bereichen in denen mehr Schärfe eher stört vernachlässigt wird.

der blick - nach Bearbeitung in Adobe Lightroom

Oben das Foto nach der Ausgangsbearbeitung in Lightroom.

Endbearbeitung in Photoshop

Aus Lightroom heraus öffne ich das Foto in 16bit ProPhoto RGB um die Endbearbeitung vorzunehmen.

PS EbenenRechts ein Screenshot der Ebenen in Photoshop und hier >derblick.zip< auch noch eine kleine Version der PSD Datei, um es euch etwas einfacher zu machen die Bearbeitungsschritte nachzuvollziehen.

Ich beginne mit ein bisschen Retusche und minimiere ein paar “störende” Fältchen im oberen und unteren Bereich des Augenlides ohne den Charakter zu zerstören (Ebenen Retusche 1 + Retusche 2). Danach glätte ich Hautbereiche an den Kanten des Bildes mithilfe des Gaußsschen Weichzeichners und eine weichen Ebenenmaske (Ebenen Gaußsscher Weichzeichner A + B). Vornehmlich dient dieser Schritt dazu das der Fokus mehr auf den zentralen Bereich gelenkt und nicht durch ein paar Unstimmigkeiten abgelenkt wird. Kurzerhand wird noch mit Hilfe mit des Kopierstempel und Reparatur Pinsel Werkzeugs ein lange und kurze Wimper im oberen Augenlid entfernt, beide fügen sich nicht so richtig in den flow der anderen Wimpern ein, also weg damit.

Nun geht es daran dem ganzen mehr punch zu verleihen und dem Foto die gewünschte Tönung zu geben. Zuersteinmal setzte ich also eine globale Gradationskurve. Eine typische S-Kurve um die Kontraste zu erhöhen (Ebene Gradationskurve global). Dann koloriere ich den negativen Raum links des Auges mit einer Farbton/Sättigungs Einstellungsebene (Ebene Farbton/Sättigung – negativer Raum) und passe die Kontraste mit einer Gradationskurve an (Ebene Gradationskurve negativer Raum). Beiden Ebenen weise ich eine Ebenenmaske zu und maskiere die Teile des Bildes die vom Effekt verschont bleiben sollen mit einem sehr weichen Pinsel. Den Pinsel habe ich auf 30% Deckkraft eingestellt, somit muss ich zwar öfter über die entsprechenden Bereiche malen, es erlaubt mir aber eine wesentlich bessere Detailkontrolle.

Im folgenden Bearbeitungschritt kümmere ich mich um den zentralen Aspekt des Fotos, der natürlich am meisten Aufmerksamkeit erregen soll, und erhöhe hier die Kontraste mittels weiterer Gradationskurven (Ebenen Gradationskurve Auge, Augenmitte, Lidschatten). Auch hier weise ich den Einstellungsebenen Masken zu und arbeite mit dem selben Pinsel wie oben die gewünschten Bereiche heraus.

Nun bleibt eigentlich nur noch die Farben harmonischer zu gestalten. Hierzu male ich eine Vignette um den Augenbereich, den Ton übernehme ich aus dem negativen Raum links vom Auge. Mit Hilfe einer Ebenenmaske minmiere ich den Effekt im zentralen Bildbereich. Es folgt eine weitere Farbton/Sättigung Einstellungsebene um die Hauttöne noch ein wenig mehr zu entsättigen. Wieder lege ich eine Ebenenmaske für die Feinarbeit an.

Zu Schluss überschärfe (für den Druck) ich noch Teilbereiche mittels des Hochpassfilters (Ebene Hochpassfilter Schärfung global) und setzte die Ebenen Füllmethode auf Weiches Licht. Fertig. Demnächst mache ich sowas per screencast, ganz schön viel Text geworden, danke fürs lesen :)

Und hier nochmal das Endergebnis.

der blick - endergebniss

Gedruckt wurde es im Format 90cm x 50cm bei art+bijou in Köln mit dem hauseigenen Acrylobond® Verfahren.

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