die sache mit der digitalen reisekamera

Es ist so eine Sache mit der digitalen Fotografie auf Reisen bei mir. Und irgendwo eine recht interessante Entwicklung denke ich. Ich bin mir sicher, der ein oder andere wird sich wiedererkennen und gleich mal vorweg, jeder soll so happy werden wie er will mit der Fotografie.
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Angefangen hat dieser ganze “bewusste” Fotokram ja bei mir im Jahr 2004. Erste richtig dicke Fernreise mit der Lieblingsfrau nach Süd-Ost Asien. Thailands Süden, die Brücke am Kwai, Bangkok und Angkor Wat stehen auf dem Programm. Also musste natürlich eine brandneue “tolle” Kamera her, damit man “tolle” Bilder machen kann. Die typische durch Werbung und Foren eingeprügelte Consumer Denke halt. Einstiegsdroge damals war eine Canon 300 D und eine handvoll Objektive.

Soviel Krempel, das man natürlich einen eigenen Rucksack dafür haben musste… Ich kam mit ca. 6000 Aufnahmen zurück. Thailand und Angkor waren quasi lückenlos fotodokumentiert. Man braucht schon einen sehr geduldigen Reisepartner für solche Orgien. Von diesen 6000 Aufnahmen finde ich heute vielleicht 100 bis 200 gut und brauchbar. Aber ich hatte Blut geleckt (zum Glück), fotografisch. Das ist erstmal gut.

In den Jahren darauf folgte die übliche Consumer Materialschlacht. Canon 30D, 40D, 7D, 5D MK II, dieses musthave Objektiv, jene Superlinse. Normal.

Die Anzahl der Aufnahmen pro Urlaub stieg und stieg und stieg und jedes Jahr kämme ich einmal mehr durch den “Travels” Ordner und schmeiße hunderte belanglose festplattenverzehrende RAWs in den Papierkorb.

Massenaufnahme weil mans kann. Urlaubsfotos mit einer Auflösung das man LKWs damit bedrucken könnte.

Und so fallen sie mir immer mehr auf, die Urlauber mit dem kompletten Satz an Material, die Frau schleppt die Urlaubsachen rum, der Mann die komplette Produktpalette des favorisierten Kameraherstellers.
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Irgendwann kam das dann bei mir mit der analogen Fotografie auf, nach einigen Rollen Film änderte sich meine Sichtweise, meine Art zu fotografieren und meinen Umgang mit der Fotografie als solcher schlagartig. Bilder wurden einfach mal nicht gemacht. Weil ich vorher wusste das sie in ein paar Wochen für mich keinen Wert mehr haben werden. Nicht dokumentarisch und auch nicht fürs Urlaubsalbum.
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Die Anzahl der Bilder die ich machte sank dramatisch. Die Anzahl der Bilder die ich nach dem Urlaub löschte ebenso. Quasi in Richtung null, mal abgesehen von dem ein oder anderen verbockten Negativ.

Zeitgleich wurden die Objektive und Prozessoren in Smartphones immer brauchbarer und spätestens mit dem Kauf des iPhone 4 machte ich alle digitalen Schnappschüsse und viele Urlaubsaufnahmen nur noch mit ebendiesem. Die seit dem Alpencross 2009 in irgendeiner Schublade verstaubende superkompakte Ixus 100 ist unnütz geworden.

Endgültig klick machte es 2012. Andalusien Urlaub. Sagenumwobene 10 Aufnahmen mit der 5D, davon 8 für ein Panorama. Die zig Kilo Glas und Gehäuse lagen zwei Wochen lang in der Ecke. Und ich hatte auch überhaupt keine Lust mehr den ganzen Klumpatsch mit mir rumzuschleppen.
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Kurz danach war ich in München bei so einem Pressesevent von Zeiss. Mein Entschluss stand fest. Weg mit dem riesen DSLR Ding. Für die dickeren Fotojobs die digital sein müssen, kann man immer noch gut und günstig leihen. Und zwar ziemlich oft wen man bedenkt wieviel Kapital der ganze Canon Kram gebunden hat.

Ich kaufte also eine Fuji X-E2. Irgendwas digitales muss man ja doch mit in den Urlaub schleppen dachte ich. Die Consumer Denke war trotz 99% analog noch tief verankert. Die Fuji ist eine tolle Kamera, keine Frage und für viele familiäre Sachen Zuhause nutze ich sie auch. Wer das aufwachsen des Nachwuchs ein bisschen festhalten will, braucht manchmal Dauerfeuer;)

Momentan bin ich noch eine Woche im Urlaub. Ich werde mit ca. vierzig Aufnahmen auf dem iPhone, mehreren Rollen Film und Polaroids zurückkehren. Die Fuji liegt seit zwei Wochen in der Ecke.
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Natürlich ist das auch mitbedingt durch die fotografische Entwicklung in den letzten Jahren. Irgendwann fängt man einfach an Fotos erstmal im Kopf zu machen bevor man die Kamera rauskramt. Und entweder entscheidet man sich dafür das Bild zu machen oder man lässt es halt.

Das iPhone langt mir vollkommen für die Erinnerungen, fürs Fotoalbum und die Prints an der Urlaubsfotowand im Flur. Ja es hat technische Einschränkungen, ja man kann damit nur bedingt das Bild gestalten. Aber ich denke einige Aufnahmen die diesen Artikel begleiten sprechen dennoch dafür.

Mir persönlich langt es für die schnellen Momentaufnahmen, die spontanen Bildideen bei denen ich nur kurz in die Hosentasche greifen will um sie umzusetzen. Für die Schnappschüsse langt es allemal.
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Der Rest ist eh Mittelformat, Kleinbild und Polaroid…

Und zur Belohnung fürs lange lesen noch das obligatorische Foto meines Abendessens ;)
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Verzeiht Tippfehler und so. Lange Texte auf dem iPhone schreiben ist doof.

19 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Ein wunderbarer Artikel! Ich fotografiere auf Reisen seit drei Jahren ausschließlich mit dem Iphone.Meine kleine Kompakte habe ich zwar immer mit, nutze sie jedoch deutlich weniger.
      Hinzukommt, dass ein Smartphone durch seine beschränkten Aufnahmemöglichkeiten auch Vieles spannender macht. Und auf der anderen Seite,gibt es dann noch vsco-cam und mextures, um an den Fotos zu fummeln.

  1. Ich fotografiere zwar nur sehr selten analog, aber die dicke, fette DSLR habe ich auch schon des öfteren mit in den Urlaub geschleppt, zB auf eine Wandertour, bei der ich die Kamera schon nach gut einer halben Stunde verflucht habe.

    Gemacht habe ich alle Fotos mit dem iPhone, bearbeitet habe ich die Bilder mit der App VSCO Cam und das Ergebnis ist trotzdem so cool, dass es sich in Zukunft nicht mehr lohnen wird, die 5-10 kg an Ausrüstung mitzuschleppen, gerade jetzt, wo ich auf das iPhone 6 aufgerüstet habe.

    Ich kann deine Gedanken ziemlich gut nachvollziehen.

  2. Merkwürdig, es scheint der Herbst zu sein. Ich habe einen eigentlich ganz anderen, aber im Tenor sehr ähnlichen Blogpost in der Pipeline.

  3. Bei mir ist es ähnlich – entfernt ähnlich, aber immerhin. Im vorletzten Urlaub hatte ich die dicke DSLR dabei, an ganzen 2 Tagen (von über 2 Wochen) kam sie zum Einsatz, ansonsten reicht mir meine Kompaktkamera. Im letzten Urlaub blieb die Große dann ganz daheim.

    Dennoch habe ich nun über 2500 Bilder – 90% in raw – auf der Platte liegen. Vieles wird ebenfalls in den Papierkorb wandern, weil es einfach nur noch redundant ist. Schöne Aussicht? Ja, aber was will ich mit hunderten von “netten” Bildchen? Von einem Motiv hatte ich schon mein Lieblingsfoto, also warum zum Teufel noch einmal auf den Auslöser drücken? Weil man es gewohnt ist, weil man es kann.

    Analog hatte ich auch dabei, aber nicht einmal den ersten Film voll (72 kleine Aufnahmen) bekommen. Nur dann, wenn ich meinte, das Motiv “lohnt” sich. Wenn ich das mal aufs Digitale übertragen könnt…

    Toller Beitrag!

    • Bei den analogen Kameras ist es eher eine Art Spieltrieb. Man will verschieden Kameras einfach mal ausprobieren, da bin ich Nerd. Die verschiedenen Aufnahmeformate tun ihr übriges dazu. Aber oft verkaufe ich Kameras die ich nur mal testen wollte wieder zügig. Ein paar Sammlerstücke natürlich nicht.

      Aber wenns ums Reisen geht kann ich mich da sehr beschränken da ich meist vorher weiß auf was ich Lust habe und auf was nicht. Dieses mal hab ich zum Beispiel ganz bewusst auf Großformat verzichtet. Ich hätte nur in der ersten Woche dafür vielleicht mal richtig Zeit und Muse gefunden. Aber dafür alles mitzuschleppen wäre Overkill gewesen.

  4. Mir geht es da ähnlich. Zwar habe ich keine 10kg-Ausrüstung, aber eine Tasche nur für eine Kamera mitzunehmen ist mit einfach zuviel. Als Kompaktkamera habe ich eine Fuji X10, die RAW kann und eine sehr zufriedenstellende ISO-Leistung hat. Trotzdem habe ich im letzten Urlaub ausschließlich mit meinem Smartphone fotografiert. Als das erste iPhone mit einer guten Kamera vorgestellt wurde (ich meine es wäre das iPhone 4 gewesen), wurde in meiner Filterbubble von einer Ablösung der Point&Shoot-Kameras gesprochen. Im Grunde ist es auch so: GPS, WLAN, direkte Bearbeitung und immer-dabei sind einfach die Argumente für das Smartphone.
    Außerdem versuche ich viel bewusster zu fotografieren, weil ich auf dem Smartphone nicht hunderte Fotos sichten möchte.

  5. witzig. Ich wusste vorher, was ich hier lesen werde. Wir waren ja lustigerweise zur gleichen zeit im urlaub. Ich allerdings 2x auf kurztrip. 1x holland, 1x costa brava/barcelona. Jeweils 4 tage. In holland hatte ich die große noch dabei und hab sie am letzten tag mal rausgekramt, weil der kumpel meinte: “fotografier doch mal mit der richtigen, wenn wir mit den kids am strand sind.” (…)

    Das soll jetzt keine lobeshymne aufs iphone/vsco werden aber: mir reicht das für solche sachen vollkommen aus. Natürlich hat man einschränkungen, aber wenn man weiß wie, kann man aus der not auch eine tugend machen. Ich find das so viel entspannter das kleine ding mal eben aus der hose zu holen. Also das telefon, ne?! ;)
    Mit der richtigen app direkt kurz ein wenig bearbeitet – fertig. Fürs album oder eventuelle kleine ausdrucke reicht das vollkommen aus. Und es bleibt viel mehr zeit, den urlaub zu geniessen. Nach spanien hab ich “richtige” kamera dann gar nicht erst mitgenommen und sie auch nicht vermisst.

  6. Ich habe früher nie mehr als 12 Filme in 2 Wochen verschossen und komme auch heute mit der digitalen Knipse nicht auf wesentlich mehr Bilder. Wie jemand in der Zeit über 1000 Aufnahmen machen kann, erschließt sich mir persönlich nicht. Ich nehme meine DSLR immer mit auf Reisen, zudem noch eine analoge Kleinbildkamera, und wenn ich mit einem Auto unterwegs bin, noch die Mittelformatkamera. Vor Ort beschränke ich mich regelmäßig auf eine Kamera und maximal 2 Objektive. Meine crop-DSLR ist zugegebener Maßen kleiner und leichter, als eine VF – ich nehme sie auch zum Klettern mit (zugegeben: ich habe mit zusätzlichem Gewicht bei Wanderungen oder Stadtbesichtigungen kein Problem). Mit Handycam und sonstigen kleinen Dingern kann ich nichts anfangen. Ich mache auch schon lange keine wahllosen Schnappschüsse mehr, einfach aus der Erfahrung heraus, dass ich mir belanglose Bilder nie wieder anschaue. Das Sichten und Nachbearbeiten meiner Urlabsbilder hält sich somit in erträglichen Grenzen.

    • Ich glaube meine Definition von Schnappschuss ist eine andere. Alle den Text begleitenden Bilder sind Schnappschüsse, da sie sehr spontan anstanden sind, ohne groß nachzudenken quasi.
      Ich glaube meine Definition von Schnappschuss ist eine andere. Alle den Text begleitenden Bilder sind Schnappschüsse, da sie sehr spontan anstanden sind, ohne groß nachzudenken quasi.

      Vielleicht zur Relativierung der 6000 Aufnahmen. Wir waren über einen Monat unterwegs damals ;) trotzdem noch viel zu viel :)

  7. Oh wie schön das zu lesen, weil es Mut macht sich von unnützem zu trennen, von Dingen, die man zu brauchen glaubt! Und direkt passend, dass ich morgen in den Urlaub fliege ;-). Ich komm noch nicht ganz von der digitalen Welt weg, ich freue mich noch zu sehr über mein “Goldstück” (100d), in die ich mich verliebt habe, als ich sie das erste mal in der Hand hatte. Aber es darf nur die Festbrennweite mit…
    Zum ersten Mal fliegt eine neumodische Polaroid mit und ich freue mich auf die echt ausgewählten Momente, die ich damit festhalten darf. Meine Landcamera ist leider zu sperrig für mich, daran kann ich mich nicht gewöhnen…

    DANKE für diesen Blogbeitrag, nun fahre ich mit dem guten Gefühl, dass ich die anderen Linsen ganz ganz sicher echt nicht brauchen werde … :-)

  8. Phase I: Ich hab die erste Erfahrung schon gemacht – DSLR mitnehmen mit allen Objektiven. Von Ultraweitwinkel bis Tele. Mit Stativ. Mit allen Filtern. Und allen anderen Dingen. Und dann ist das Kreuz runiert, die Urlaubsbegleitung verärgert und die Festplatte voll.

    Phase II: Analog. Funktioniert solange bis man den ISO-Wert ändern will und man sich im Urlaub nicht auf Filme, ihre Aufbewahrung und die verbundenen Dinge konzentrieren will.

    Was nun also im Urlaub? Eine digital Spiegelreflex, ein kleines 50er, ein Polfilter und ein Reinigungsutensil – sozusagen die Lektion aus Phase I. Und mit dem relaxten Fotogefühl aus Phase II, was man IMHO ohne analogen Zugang kaum lernen kann.
    Am Ende bleiben z.B. 100 Fotos von einem 14 Tage Roadtrip… passt (für mich)!

  9. Fotografiert man auf Reisen nach dem “Ich-war-hier-Dokumentation”, dann reicht sicherlich ein Smartphone (die Kamerahersteller sehen das sicher anders); vielleicht in Kürze die Google-Brille. Will man auf Reisen das bereiste Land, die bereiste Gegend besonders darstellen, darf es sicher etwas mehr sein. Der Zweck bestimmt auch hier in gewisser Weise die Mittel.

  10. Schöner Artikel,der mir aus dem Herzen spricht! Allerdings mache ich Reisefotos in einem Rahmen des Überschaubarem und gerne noch mit der alten Analogkamera meines Vaters (Canon AE 1) oder mit der kleinen Canon 1000D,mit der ich sehr zufrieden bin! Besonders bei meinen “anderen Reisen”…ich habe seit 5 Jahren ein Projekt bei dem meine kleine 1000D immer dabei ist und bin sehr happy…besonders nachts,während der Fahrt und mit Jazz im Ohr!
    Qualitativ sind die Aufnahmen großformatig 150×80 sehr gut auf den Ausstellungen angekommen und haben sich gut verkauft.
    Jedenfalls weiter viel Spaß mit der Fotografie!! Grüße!

  11. Pingback: dieses Ding mit der digitalen Reisekamera | the hometrail » fotografien / blog des fotografen marc von martial

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